Kulturzentrum

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"Franco il GRANDE!"

FRANCO BONISOLLI - The King of Tenors (1938-2003)

2013 jährt sich zum zehnten Mal der Todestag des Ausnahme-Sängers Franco Bonisolli. Der im norditalienischen Rovereto geborene Sänger starb am 30. Oktober 2003 im Alter von sechsundsechzig Jahren.
Für 2003 war noch eine aufwändige Opernproduktion mit ihm in Peking geplant. Die Einladung für die Rolle des Calaf in der Oper Turandot von Giacomo Puccini lag ihm bereits vor - es sollte nicht mehr dazu kommen - eine schwere Krankheit riss ihn aus dem Leben.

 

Franco Bonisollis Stimme war eine Naturgewalt - eher dunkel gefärbt, männlich, schön, ausgestattet mit enormer Tragkraft und einer fulminanten Höhe. Er konnte "C´s" singen wie kein anderer. Gerade in diesem Bereich unterschied sich Bonisolli stark von Domingo & Co. Bonisollis Stimme strahlte bei Spitzentönen - während viele seiner Kollegen mit diesen Prüfsteinen eines Tenors ein Sängerleben lang Probleme hatten. Kammersänger René Kollo: "Bonisolli ist der einzige Tenor den ich kenne, der schon morgens um 10.00 Uhr ein perfektes >C< singen konnte!"
Bonisolli wurde von seinen Neidern nachgesagt, dass er ein Pazzo, ein Effekthascher wäre. Nun, wer jemals Aufnahmen hörte wie z.B. "Che gelida manina" (youtube) der weiß, wie diszipliniert und technisch fein Franco Bonisolli singen konnte - gerade er beherrschte die Mischung aus Feinheit und vollem Stimmeinsatz.
Bonisollis Stimme lag auf einem unendlichen Atem. Er konnte mit seiner Stimme große Bögen singen ohne an Limits zu stoßen. Ein Paradebeispiel dafür ist die Arie des Radames "Celeste Aida" (youtube). Viele Tenöre, die wesentlich populären sind, haben Probleme mit der Höhe und der Länge der musikalischen Bögen. Sie müssen vor dem großen Schlusston bei "un trono vicino al sol" die Stimme merklich zurücknehmen, um am Ende noch über die Runden zu kommen. Ganz anderes bei Bonisolli: Er singt mühelos, schön und setzt nach langen gewaltigen stimmlichen Bögen noch einen Schlusston hin, der absolut sitzt, schön und männlich klingt und erstrahlt wie eben die Sonne! Kollo: "Bonisolli war ein Sänger, der die Arena von Verona nicht nur mit Publikum füllte, sondern auch mit seiner mächtigen Stimme."

 

Kammersänger Heinz Holecek: "Bonisolli besaß eine fast unglaubliche Stimmkraft. Er war ein absoluter Ausnahme-Tenor!"

 

Legendär sind natürlich auch Bonisollis Bühnenauftritte. Man wusste nie genau wie der Abend enden würde. Bonisolli war auf der Bühne sehr impulsiv. Auch hatte man oft den Eindruck, dass sich alles um ihn drehen sollte. Waren Kollegen oder Orchester nicht gut genug, konnte es leicht passieren, dass Bonisolli die Bühne verließ - manchmal um nicht wieder zu kehren. Fast in dieser Weise passierte es bei Sommerfestspielen in Niederösterreich. Es war ca. ein Jahr vor Bonisollis Tod. Bonisolli gab bei seinem Arienabend wie gewohnt alles - nicht aber Dirigent und Orchester. Worauf Bonisolli dem Dirigenten den Stab aus der Hand nahm und selber zu dirigieren begann. Nach lautstarker Aufforderung das Orchester richtig zu führen und nach neuerlichen Qualitätsmängel seitens Orchester verließ Franco Bonisolli dann wütend die Bühne. Nach einer langen Pause kehrte er diesmal allerdings zurück.

 

Es war auch Bonisolli der dem großen Herbert von Karajan bei einer Generalprobe zum Troubadour wutentbrannt das Schwert vor die Füße warf und die Bühne verließ. Bonisolli kehrte nicht mehr zurück - Einspringer war Placido Domingo. Vielleicht waren Ausbrüche dieser Art Schuld daran, dass in der Folge wichtige Produktionen mit anderen Tenören besetzt wurden. Produzenten und Operndirektoren fürchteten Bonisollis Unberechenbarkeit. Dennoch sang Franco Bonisolli an allen großen Opernhäusern und Festivals dieser Welt. 1991 zog er sich überraschend von der Bühne zurück. 1999 feierte er dann eine fulminante Rückkehr mit einem Arienabend im Wiener Konzerthaus. Vor dem Konzert wurde er von Journalisten gefragt, wer nun der beste Tenor sei: Domingo, Pavarotti oder er. Bonisolli antwortete: "Warten sie das heutige Konzert ab, dann werden auch sie es wissen!" Und Bonisolli machte beim Konzert alles klar. In alter Bonisolli-Art kam er auf die Bühne gelaufen und nur nach wenigen Tönen schon lieferte er ein gewaltiges "C". Es folgten Arien aus Andrea Chenier, Rigoletto, Troubadour, Turandot u.a. Und es folgten Begeisterungsstürme aus dem Publikum.

 

Bonisolli hatte wieder gezeigt, dass er The King of Tenors ist.

Vielleicht hat Bonisolli das mächtige Getriebe des Opernbetriebes unterschätzt und man hat ihn auf Grund seiner Exzesse nicht ganz dort hin gestellt, wo er gemessen an seiner Stimme und seiner Musikalität stehen müsste - nämlich ganz oben, als The King of Tenors. Di quella pira
Franco Bonisolli war in seinem Fach der Beste. Sein Publikum auf der ganzen Welt liebt ihn zehn Jahre nach seinem Tod immer noch.

 

Die Opernwelt verlor mit ihm eine der schillernsten, unberechenbarsten Persönlichkeiten. Einen Sänger, der immer alles gab. Einen Sänger, der die Oper so lebte wofür sie geschaffen wurde: Für Stimme und Leidenschaft. Die Opernwelt verlor den besten Tenor.    

Franco Bonisolli per sempre!!